Belfast – Vielleicht die beste Stadt der Welt (Teil II)

Die High Street in Belfast ist heute eine belebte Einkaufsstraße. Im 17. Jahrhundert verlief genau hier der Fluss Farset. Schiffe legten an den Docks an und Seeleute übernachteten nur einen Steinwurf entfernt. Von diesem Umstand leitet sich auch der Name Belfast ab, denn ‚Beal Feirste‘ bedeutet „Mündung am Farset“.

 

Cathedral Quarter und Zollhaus

In manchen Straßennamen des Cathedral Quarter steckt noch ein Stück Seefahrts-Geschichte, wie zum Beispiel in der Skipper Street. Doch in dieser Gegend waren auch Töpfereien, Gerbereien, Kupferschmieden und Schlachthäuser beheimatet. Die bis heute bestehenden Gebäude geben dem Quarter seinen rauen Charme.

Tipp: Bleiben Sie nicht auf den Hauptstraßen, verlieren Sie sich in der ersten Seitenstraße, die Sie finden und genießen Sie die einzigartige Atmosphäre.

Eines der beeindrucktesten Gebäude in dieser Gegend ist das Zollhaus. Der große Platz vor dem Zollhaus wird heute für Konzerte und Veranstaltungen laufend genutzt. Das Gebäude selbst ist aus der viktorianischen Zeit, fertiggestellt im Jahr 1875. In dem Zollhaus war nicht nur der Zoll, sondern auch die Post, das Finanzamt und die Einwanderungsbehörde untergebracht. Die Skulpturen von Neptun, Merkur und Britannia zieren den oberen Teil der Fassade. Die Statue eines Mannes im dreiteiligen Anzug steht nahe der Treppe des Zollhauses. Er blickt mit halb-offenem Mund und erhobenen Armen Richtung Platz, in einer Hand ein Stück Papier – er spricht mit einer imaginären Menge und symbolisiert dadurch die vielen Reden, die an diesem Platz bereits gehalten wurden.

 

Albert Memorial Clock und the Big Fish

Vom Zollamtsplatz gelangte ich direkt zu einem Wasserbrunnen und der Albert Memorial Clock. Der Wasserbrunnen ist in den Boden des Platzes integriert. Dadurch kann man (theoretisch) durch die dünnen Wasserstrahlen laufen, die ganz in ihrem eigenen Rhythmus nach oben schießen. Dieses Spektakel eine Zeit lang von der Parkbank aus zu beobachten, zahlt sich jedenfalls aus.

Direkt hinter dem Wasserbrunnen steht die Albert Memorial Clock. Wie der Name bereits verrät, wurde der Uhrturm zum Gedenken an Prinz Albert erbaut, dem Gemahl von Königin Victoria. Fertiggestellt wurde der Turm im Jahr 1865. Innerhalb der letzten 150 Jahre, neigte sich der Turm beträchtlich. Bei den kürzlich durchgeführten Renovierungsarbeiten wurde die Neigung von 1,25 Metern behoben.

Als ich auf den Fluss Lagan zusteuerte, erreichte ich endlich den sogenannten „Big Fish“. Ich hatte darüber in meinem Reiseführer gelesen. Es handelt sich um eine große Skulptur eines Fisches mit blauen und weißen Fliesen, die seine Flossen darstellen. Als ich mir den Fisch genauer ansah, bemerkte ich, dass die weißen Fliesen blaue Aufdrucke hatten – von regionalen Gebäuden und von einem Zeitungsartikel aus Belfast aus dem 19. Jahrhundert. In den gelben Augen des Fisches konnte ich alte Bilder des Laganside Flussgebiets und der Waterfront entdecken – die Bilder stammen aus einer Zeit bevor das Gebiet modernisiert wurde.

 

Belfaster Waterfront, Beacon of Hope und das Titanic Museum

Die große Fisch-Skulptur wurde im Rahmen der Umbauarbeiten des Laganside Gebiets errichtet. Der Umbau war dringend nötig gewesen, da die Gegend für lange Zeit sehr stark vernachlässig worden und dementsprechend heruntergekommen gewesen war. Im Jahr 1989 gründete die Regierung die Laganside Corporation, um das Gebiet umzugestalten und dadurch belebter zu machen. Das Projekt wurde im Jahr 2007 vollendet. Insgesamt wurden 1 Milliarde Pfund aufgewendet. Heute ist die Waterfront von Belfast eine Augenweide mit einer Flusspromenade und modernen Gebäuden, in denen Apartments, Restaurants und Hotels untergebracht sind.

Als ich den Fluss Richtung Süden entlang lief, passierte ich noch eine bemerkenswerte Skulptur. Sie wird Beacon of Hope genannt und sieht aus wie eine Frau, die auf einer Weltkugel steht und eine Art Hula-Hoop-Reifen in die Höhe hält. Die Statue steht für die Einheit der Menschheit und gleichzeitig für ihre Diversität. Sie symbolisiert Hoffnung, Bestreben, Friede und Versöhnung. Die Visualisierung der Statue ist an die klassische und keltische Mythologie angelehnt.

Von der Flusspromenade aus konnte ich die gelben Harland & Wolff Krähne auf der anderen Seite des Flusses erkennen. Dort drüben befindet sich auch das futuristisch aussehende Titanic Museum. Das moderne Museum vermittelt durch Videoscreens und Infoportale auf interaktive Weise alles Wissenswerte über den Schiffbau in Belfast und den Schiffsreisen von damals. Schiffskabinen wurden nachgebaut und bieten die perfekte Kulisse für Hologramme von Schauspielern, die Reisende der damaligen Zeit mimen. Es gibt natürlich auch spezielle Touren und Workshops für Kinder. Es ist sogar möglich die Räumlichkeiten des Museums zu mieten, zum Beispiel für Firmenfeiern oder Hochzeiten.

 

St. George’s Markt und Belfast Bap

Während eines Aufenthalts in Belfast sollten Sie zumindest einmal den St. George’s Market besucht haben. Er ist nahe der Waterfront gelegen und in einem viktorianischen Gebäude untergebracht, dass zwischen 1890 und 1896 errichtet worden war. Doch die Tradition dieses Marktes geht noch viel weiter zurück. Seit 1604 findet an diesem Platz jeden Freitag ein Markt statt. Auch heute noch ist St. George‘s ein Wochenendmarkt, geöffnet von Freitag bis Sonntag. Dabei steht jeder Tag unter einem anderen Schwerpunkt. Ich empfehle den Markt an einem Sonntag zu besuchen, da an diesem Tag der Varietäten-Markt vom Freitag mit dem Essen-, Handwerk- und Blumenmarkt des Samstags kombiniert wird. An den unzähligen Ständen finden Sie Antiquitäten, Kleidung, Schmuck, Souvenirs, Bücher und natürlich auch regionale Köstlichkeiten. Oftmals spielen regionale Künstler auch vor Ort Live-Musik.

Tipp: Versuchen Sie den Belfast Bap – das runde, krustige Brot ist der Namensgeber dieser lokalen Spezialität, typischerweise gefüllt, zum Beispiel mit Fleisch, Speck, Ei und vielem mehr.

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