Der Osteraufstand

Am Ostermontag im Jahr 1916 griffen irische Nationalisten zu den Waffen und besetzten mehrere Tage lang Gebäude in Dublin. Das britische Regime hatte inmitten des ersten Weltkrieges Schwierigkeiten den Aufstand in den Griff zu bekommen. Als Osteraufstand ging diese Rebellion in die Geschichte ein.

Ich reiste im Jahr 2016 nach Dublin, genau 100 Jahre nachdem es hier zu dem großen Osteraufstand gekommen war. Fahnen, Plakate und Buswerbungen erinnerten an einen der größten irischen Aufstände.

Wer schon mal in Dublin war, weiß vermutlich um den Osteraufstand Bescheid. Immerhin gibt es eine Touristenattraktion, die mit dem Aufstand bis heute in Verbindung gebracht wird – das General Post Office (GPO).

Das General Post Office (GPO)

Das wohl berühmteste Postamt der Welt – das General Post Office (GPO) in Dublin – wurde zu Ostern 1916 von den irischen Nationalisten Tage lang belagert. Von hier aus wurde der Aufstand koordiniert und die Unabhängigkeit Irlands ausgerufen.

Heute ist das Gebäude eine der Haupttouristenattraktionen in Dublin. Da es bis heute ein Postamt ist, kann man es ohne Eintritt zu bezahlen, betreten. Es gibt ein kleines Museum und es werden auch Führungen angeboten. Nahe dem Eingang befindet sich eine Miniaturnachbildung des Gebäudes mit kleinen Plastikfiguren, die die irischen Nationalisten und die britischen Streitkräfte im Kampf darstellen.

Doch auch ohne seine geschichtliche Bedeutung ist das Gebäude sehenswert. Mit den riesigen Steinsäulen an der Frontseite erinnert es von außen ein bisschen an ein griechisches Gebäude. Und Innen geben mir die hohen Räume, der Marmorboden und die Postschalter mit vergoldeten Gittern das Gefühl, im 19. Jahrhundert gelandet zu sein.

Die Hintergründe

Bereits seit dem 12. Jahrhundert hatte Großbritannien eine Vormachtstellung in Irland. Mit dem Act of Union im Jahr 1800 wurde Irland schließlich Teil des Vereinigten Königreichs. Ein Zusammenschluss, der mit dem irischen Nationalgedanken gar nicht zusammenpasste.

Während des ersten Weltkriegs hatte Großbritannien seine Streitkräfte an den Fronten und somit war es im eigenen Land angreifbar. Diese Chance nutzten die irischen Nationalisten. Sie besetzten mehrere Gebäude in Dublin. Federführend dabei war die Gruppierung Irish Republican Brotherhood (IRB). Die Rebellion wurde von insgesamt 1600 Aufständischen (u.a. Irish Volunteers und Irish Citizen Army) unterstützt und machte die tagelange Besetzung der Gebäude erst möglich. Der Osteraufstand war dabei keinesfalls die erste Rebellion der IRB allerdings, rückblickend betrachtet, die wirksamste.

Auch wenn die britischen Streitkräfte die Rebellen am Ende besiegten und die Anführer exekutierten, war dieser Aufstand der Beginn der Unabhängigkeit für Irland.

 

Der Osteraufstand – Vorbereitung und Ausführung

Die irischen Nationalisten rechneten sich größere Erfolgschance aus, wenn sie mit den Deutschen zusammenarbeiteten. Roger Casement sorgte dafür, dass deutsche Waffen und Munition auf einem Schiff nach Irland transportiert wurden. Doch der Schmuggel blieb nicht unbemerkt und der Captain war gezwungen das Schiff aufzugeben. Roger Casement wurde Hochverrat angelastet und Monate später hingerichtet.

Trotz des gescheiterten Waffenschmuggels fand der Aufstand wie geplant statt. Am Ostermontag rückten die Rebellen aus und besetzten mehrere Häuser in Dublin, darunter das GPO. Noch am selben Tag stellte sich Patrick Pearse, einer der Anführer der Rebellion, auf die Treppen des Postgebäudes und verlas die Unabhängigkeit Irlands. Er erklärte Mitglieder der IRB als Teil des vorübergehenden Parlaments.

Die erhoffte Unterstützung durch die Bevölkerung blieb jedoch aus. Die Rebellion forderte 450 Todesopfer und rund 2000 Menschen wurden verletzt, darunter viele Zivilisten. Die Innenstadt Dublins war größtenteils zerstört worden. Daher distanzierte sich die irische Bevölkerung von den Aufständischen. Doch die britische Regierung setzte drastische Zeichen: sämtliche Anführer wurden exekutiert und rund 3000 Menschen wurden inhaftiert, weil sie direkt oder indirekt an der Rebellion beteiligt waren. Und damit wendete sich das Blatt, denn die irische Bevölkerung lehnte die Gewalt der Briten ab und war entschlossener denn je wieder unabhängig zu werden.

Die Auswirkungen

Eamon de Valera war einer der Aufständischen, die zum Tode verurteilt wurden. Doch stattdessen saß er seine Freiheitsstrafe ab und konnte später mit der politischen Partei Sinn Fein die Rebellion auf politischer Ebene weiterführen.

Sinn Fein wollte ein unabhängiges Irland und fand während der Wahlen 1918 von der Bevölkerung große Unterstützung – sie konnten die Mehrheit der irischen Sitze im britischen Parlament erreichen. Doch die Abgeordneten der Partei weigerten sich im britischen Parlament zu tagen und trafen im Jänner 1919 zum ersten Mal als  irisches Parlament (dem Dail Eireann) zusammen. Sie erklärten die  Unabhängigkeit Irlands und gaben damit die Initialzündung für den irischen Unabhängigkeitskrieg, der von 1919 bis 1921 dauerte.

Doch der geschlossene Frieden mit Großbritannien war für viele Iren ein unbefriedigender Kompromiss. Es folgte der irischer Bürgerkrieg und politische Machtkämpfe. Es sollte noch einige Jahre dauern, doch am Ostermontag des Jahres 1949 wurde schließlich die völlig unabhängige Republik Irland formell besiegelt.

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